Alter Falter, Malta!

Nach vier Wochen durch alle Landesteile Spaniens stand zum Ende meiner Sommerreise 2010 ein ganz besonderes Land auf dem Plan: Malta, das kleinste, südlichste und wärmste Land der Europäischen Union liegt ungefähr 100 km südlich von Sizilien. Hier spricht man Maltesisch und Englisch, was die Kommunikation recht einfach macht. Die meisten Orte und Straße jedoch haben maltesische Namen – und da maltesisch eine arabische Sprache ist, macht es sowohl Aussprache als auch Verständnis absolut unmöglich! Auf Malta wird seit 2008 mit dem Euro bezahlt. Eine besondere Statistik: Mit 300.000 Autos auf 400.000 Einwohner hat Malta die höchste Automobildichte Europas. Linksverkehr, Staus und mangelnde Verkehrsregeln macht Auto fahren auf Malta für Ausländer sehr schwer. Berühmt ist Malta vor allem für seine wenigen aber schönen Sandstrände und es ist damit eines der berühmtesten Urlaubsländer Europas.

Einer, der hier keinen Urlaub macht, sondern hier seine Masterarbeit und Abschlussarbeit seines Studiums schreibt, ist mein Bruder Robert, den ich in seiner Stadt Gzira für vier Tage besuchen war. Die ersten beiden Tage auf Malta habe ich mir die Wohngegend im Touristenviertel der Städte Gzira, Sliema und Saint Julians und die Hauptstadt Valetta. Hier sieht man deutlich den mediterranen Anstrich Maltas. Mediterraner als Malta geht es eigentlich kaum, da es geografisch fast exakt in der Mitte des Mittelmeeres liegt. Die Städte sehen ähnlich aus wie im Süden Spaniens, die Mentalität der Menschen ähnlich offen, freundlich und vielleicht ein bisschen hitzköpfiger.

Das maltesische Staatsarchipel besteht aus den Inseln Malta, Gozo und Comino. Den dritten Tag verbrachte ich auf Gozo – hier ist alles ein bisschen kleiner als auf der großen Hauptinsel Malta, aber doch noch sehr vergleichbar. Anfang Oktober sind es hier noch immer weit mehr als 25°C und die Sonne scheint rund um die Uhr, außer nachts. Am vierten Tag dann folgte der Ausflug auf die krasseste Insel, die ich bisher besucht habe: Comino! Auf einer Größe von 3 km² tummeln sich vier permanente Einwohner – und besitzen insgesamt drei Autos für die drei Straßen, die nicht viel länger als ein Kilometer sind. Eine Polizeiwache und eine Kirche sorgen für die nötige weltliche und geistliche Sicherheit der hochgradig gestressten Einwohner. Mit dem Polizisten auf Comino habe ich mich lange unterhalten, er meint, die entspannteste und schönste Arbeit der Welt zu haben. Im Sommer allerdings muss er neben den vier Einwohnern noch auf die ungefähr 500 Touristen am Tag achten, die die drei Sandstrände völkerwanderungsähnlich überfallen. Mein Rundgang über die ganze Insel dauert ungefähr zwei Stunden, ich habe viele Steine, Sträucher, einen Steinturm, das Wohngebiet und 50% der Bevölkerung Cominos getroffen. Hier zu leben muss ein Traum vieler Menschen sein.

Am Tag meines Rückfluges nach Hause stand am Morgen noch ein ganz besonderer Besuch an: Wie immer wollte ich das Parlamentsgebäude besuchen, das in Malta ist leider für die Öffentlichkeit nicht zugängig, da hier anscheinend weltbewegend wichtige Dinge entschieden werden, die vor der Welt geheim gehalten werden müssen. So habe ich im Parlament angerufen und eine Privatbesichtigung bekommen. Innen sah es typisch britisch aus, so wie in jedem Parlament in Kanada und dem Vereinigten Königreich, doch die Erzählungen der Frau, die mich durch die heiligen Hallen geführt hat, waren sehr interessant. Ich habe einen Einblick in die Probleme Maltas und der Europäischen Union bekommen und weiß nun, dass das größte Problem des Landes momentan ein rußendes Kraftwerk im Landesinneren ist, weswegen einige Einwohner ab und an schwarzen Dreck vom Balkon fegen müssen.

Am Mittwoch, dem 6. Oktober 2010 war dann meine fünfwöchige Reise durch Südeuropa zu Ende. Ich habe sehr viele Landesteile von Spaniens gehen, unzählige Kathedralen, Kirchen und alte Gebäude und Städte gesehen, viel geschwitzt, viel gewandert, darunter den berühmten Jakobsweg, auch ein bisschen schöne Natur gesehen aber hauptsächlich viel landestypische Kultur erlebt. Den schönen Abschluss bildete der Besuch bei meinem Bruder auf Malta, wo ich noch einmal den Spätsommer Südeuropas erleben durfte, der so ist wie der Hochsommer zu Hause. Dort erwarteten mich wieder kühleres kontinentales Klima und der Rest meiner lieben Familie und meine Freunde. Am Montag, dem 11. Oktober geht dann mein Studium in Weimar wieder weiter, nach so viel Reisen freue ich mich nun wieder auf ein festes Heim, mein schönes Leben in der Kulturstadt Weimar und mein Studium.

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Vielen Dank an alle, die mein Tagebuch hier regelmäßig gelesen haben. Ich würde mich über ein kleines Echo freuen und verspreche, irgendwann diese Seite mal wieder richtig schön zu machen – leider habe ich nie so richtig Zeit dafür!

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